Auch im Ruhestand über den Tellerrand schauen

Mit „Generation Plus“ nach Mizoram

Andreas Reppich

Andreas Reppich steht mit dem Manager des Gesundheitszentrums in Mizoram vor einem Krankenhaus.
Andreas Reppich mit dem Manager des Gesundheitszentrums in Mizoram

Nach 40 Jahren als Ingenieur in der Automobilindustrie hatte ich mir vorgenommen, die letzte Phase meines Berufslebens in der Entwicklungszusammenarbeit zu arbeiten. Bei Coworkers, Christliche Fachkräfte International e.V., fand ich 2020 ein Projekt, das mir wie auf den Leib geschrieben war: Gesucht wurde ein*e Berater*in für Organisationsentwicklung in Myanmar. Leider war zu dieser Zeit aufgrund von Covid nur Online Arbeit möglich. 2021 verhinderte dann der Militärputsch meine Einreise, und das Projekt musste abgebrochen werden. Dann suchte Coworkers Fachkräfte für ein anderes Beratungsprojekt – die Arbeit mit Gefangenen und ihren Familien in Albanien. Dort haben meine Frau Krista und ich zwei Jahre bei der Organisations- und Programmentwicklung sowie im Bereich Ernährung Unterstützung geleistet. Nach unserer Rückkehr begann dann für mich ein neuer Lebensabschnitt – der Ruhestand.

Ein Herzensanliegen

Die Not der Menschen in Myanmar hat Krista und mir seit dem Abbruch des ersten Projekts keine Ruhe gelassen. Während unseres Aufenthalts in Albanien kamen wir mit einer christlichen Organisation in Kontakt, die in Mizoram im Nordosten Indiens ein Gesundheitszentrum für die lokale Bevölkerung und Geflüchtete unterhält. Mizoram grenzt an Myanmar und Bangladesch. Nach ethnischen Konflikten in diesen beiden Ländern hat Mizoram an die 100.000 Flüchtlinge aufgenommen, obwohl es selbst einer der ärmsten Bundesstaaten Indiens ist. Wegen des Bürgerkriegs in Myanmar kommen auch Kriegsversehrte über die Grenze und erhalten medizinische Versorgung in diesem Gesundheitszentrum. Angesichts dieser Situation war es uns ein Herzensanliegen,
die Menschen vor Ort kennenzulernen und ihnen unsere Unterstützung anzubieten. Und dies konnten wir mit Hilfe von Coworkers umsetzen.

Generation Plus: Aktiv im Ruhestand

Das Coworkers Programm Generation Plus bietet Menschen im Ruhestand die Möglichkeit, ihre Expertise und Erfahrung in Projekte der Entwicklungszusammenarbeit ehrenamtlich einzubringen. Berufliche und private Erfahrung teilen, andere Kulturen erleben und mit den Menschen vor Ort arbeiten – daraus ergeben sich großartige Gelegenheiten, über den Tellerrand zu schauen und Neues zu lernen. In Mizoram bauten wir viele Beziehungen zu den Menschen vor Ort auf, erlebten ihre Großzügigkeit und arbeiteten mit ihnen daran, den Einsatz für ihre Landsleute und Geflüchtete wirkungsvoller zu gestalten. Dabei konnten wir wertvolle Erfahrungen aus unserem Online-Projekt für Myanmar sowie aus unserer Arbeit in Albanien einbringen: kulturelles Hintergrundwissen, analytische Methoden und die gemeinsame Entwicklung von Veränderungsstrategien. Ebenso brachten wir bewährte Ansätze zur Gestaltung effektiver Prozesse und Strukturen in NGOs ein – alles vor dem Hintergrund der konkreten kulturellen Wirklichkeit.

Photovoltaik kann Leben retten

Krista und Andreas Reppich stehen nebeneinander. Im Hintergrund ist die Hauptstadt von Albanien, Tirana, abgebildet.
Krista und Andreas Reppich während ihres Aufenthaltes in Albanien

Wir waren sehr beeindruckt, dass das Gesundheitszentrum seine laufenden Kosten durch Einnahmen und lokale Spenden gut decken kann. Größere Investitionen sind jedoch nur mit Hilfe von außen möglich. Eine besondere Not schilderte uns dort ein Chirurg: „Die öffentliche Stromversorgung hier ist instabil. Stellt euch vor, bei der Operation eines Kriegsversehrten oder bei einem Kaiserschnitt fällt plötzlich der Strom aus. Bis die Diesel-Notgeneratoren richtig laufen, vergehen lange, kritische fünf Minuten.“ Dieses Problem könnte eine Photovoltaikanlage lösen – und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort haben wir einen Projektplan entworfen. Unser Beitrag bestand darin, Kontakte zu Partnerorganisationen und Institutionen herzustellen, um technische Unterstützung zu erhalten und Projektbeteiligte für die finanzielle Ausstattung zu gewinnen. Über dieses Projekt hinaus gibt es dort viele andere Ansätze, die Effektivität zu steigern, an denen wir bis heute mitarbeiten. Deshalb werden wir noch weitere Einsätze unternehmen. Auch in anderen Regionen der Welt gibt es große Notstände. Gerade deshalb möchten wir Menschen im Ruhestand mit Berufserfahrung ermutigen, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen in Entwicklungsprojekte einzubringen. Das Ergebnis wird für euch ein großer Schatz sein, Abenteuer inbegriffen.

Andreas Reppich war von 2021 bis 2023 mit Coworkers in Albanien.

Der Artikel erschien in Facetten der Rückkehr- transfer 02/2025.