Erfahrungen aus dem Dienst in der Stadtteilarbeit genutzt
Anstöße für ein „aktives Tun“ geben
Fritz Ritzmann
Seit Juni 2023 baue ich ein generationsübergreifendes Stadtteilprojekt für das Katharinenstift, ein Altenpflegeheim der Ordenswerke des Deutschen Ordens, auf. Unser Ziel ist es, das Miteinander in Freiburg Mitte zu stärken und die Vernetzung in der Nachbarschaft zu fördern. Dazu schaffen wir unter anderem Begegnungsmöglichkeiten zwischen den Generationen und bieten allen die Möglichkeit, sich zu engagieren und einzubringen. Zu Beginn der Arbeit führten wir eine kleine Umfrage im Stadtteil durch, um zu hören, wo die Bedarfe liegen. Hier prägte sich mir der Satz eines älteren Herrn ein: „Wir möchten nicht „bespaßt“ werden, sondern Angebote und Anstöße für ein aktives Tun erhalten.“ Daher haben wir im engen Austausch mit der Volkshochschule und der Stadtbibliothek in Freiburg ein Konzept für eine gemeinsame Vortragsreihe zum Thema „Bildungsangebote und Möglichkeiten für Engagement“ erarbeitet. In dieser Phase riet mir ein Bekannter, der an der Freiburger Volkshochschule arbeitet, doch meine eigenen Erfahrungen aus dem Entwicklungsdienst in das Projekt einzubeziehen und in einem Vortrag zu präsentieren. Das sei sicher für ältere Generationen interessant. Sofort wurden in mir viele Bilder wach – aus meiner Zeit im Entwicklungsdienst für den DED (heute: GIZ) in Ruanda und für den Weltfriedensdienst in Guinea. Bei meiner ersten Ausreise war ich 38 Jahre alt. Damals war es für mich sehr wertvoll, von erfahrenen Fachkräften im Ausland zu lernen.
Kooperation mit dem SES
Bei der Suche nach weiteren Referent*innen bin ich auch in Kontakt mit dem Senior Expert Service (SES) gekommen, dessen Kernaufgabe das „Engagement von Senior*innen im In und Ausland“ ist. Dort „landete“ ich zu meiner Überraschung bei einer ehemaligen Freiburger Bürgermeisterin, die heute als SES Regionalbeauftragte für Südbaden arbeitet. Schnell entwickelte sich aus dem Kontakt eine fruchtbare Kooperation nicht nur für unsere Vortragsreihe, sondern auch für das Katharinenstift: Im Rahmen des SES Projektes VERAplus engagieren sich ältere Menschen ehrenamtlich für die Ausbildung junger Menschen und unterstützen nun das Qualitätsmanagement des Katharinenstifts bei der Betreuung der 30 Azubis im Pflegebereich.
Breites Interesse für EZ-Vorträge
Zurück zu unserer Vortragsreihe: Inzwischen haben bereits zwei Durchläufe mit jeweils vier Vorträgen stattgefunden, teils in der Stadtbibliothek Freiburg, teils im Katharinenstift. Es ging unter anderem um Möglichkeiten ehrenamtlichen Arbeitens, um Erfahrungen und Einsatzmöglichkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit bis hin zu Auslandstätigkeiten für Führungskräfte im
Ruhestand und weiteren Möglichkeiten, Praxiswissen im Ausland einzubringen. Die Vorträge waren immer sehr gut besucht. Bei unserer Veranstaltung „Einblicke in die Entwicklungszusammenarbeit“ hat mich sehr überrascht, wie viele junge Menschen gekommen sind, von denen einige anschließend anboten, sich ehrenamtlich in unser Stadtteilprojekt einzubringen. Sehr hilfreich bei der Vorbereitung unsere Vortragsreihe war die Unterstützung von Gabi Waibel von der AGdD. Sie „briefte“ mich in mehreren Telefonaten und versorgte mich mit wichtigen aktuellen Informationen zur Statistik, zu gesetzlichen Aspekten, dem politischen Stand und aktuellen Schwerpunktthemen der Entwicklungszusammenarbeit. Sie gab mir auch nützliche Tipps für die Präsentation, was mir viel Sicherheit verlieh. Danke noch einmal. Auch dafür, dass ich Zuhörer*innen mit Fragen zur Entwicklungszusammenarbeit, die ich nicht beantworten konnte, an die AGdD verweisen durfte.
Fazit
So öffnet mir meine Auslandserfahrung aus dem Entwicklungsdienst auch heute, im Alter von 60 Jahren, immer wieder neue Türen. Und sie hilft mir, mich auf neuem, „fremden Terrain“ – aktuell im Quartiersmanagement – sicher zu bewegen. Darum möchte ich junge wie ältere Menschen unbedingt ermutigen, sich auf einen Auslandseinsatz einzulassen. Ich selbst kann mir gut vorstellen, nach Berufsende gemeinsam mit meiner Frau noch einmal einen Auslandseinsatz anzugehen.
Hier geht es zur Website des Stadtteilprojektes
Fritz Ritzmann war von 2002 bis 2004 in Ruanda (DED) und von 2006 bis 2009 in Guinea (WFD).
Der Artikel erschien in Facetten der Rückkehr- transfer 01/2025.