Frieden, Umweltschutz, Ressourcenknappheit und Klimawandel

Welche Rolle kann Environmental Peacebuilding spielen?

Lisa Picott ist ehemalige Fachkraft im Zivilen Friedensdienst und Entwicklungsdienst in Kolumbien, sowie PM&E- und Länderreferentin. Im AGdD-Online-Fachgespräch gab sie einen Überblick zur Definition von Environmental Peacebuilding und zu aktuellen Diskussionen in der Forschung. Unterlegt wurden die theoretischen Konzepte durch konkrete Beispiele zu Ressourcenkonflikten aus Kenia und ersten Ansätzen, EnvPB-Theorie in praktische Handwerkszeuge und Methoden zu übersetzen. Hierzu schilderte Silke Pietsch-Cooper – ehemalige ZFD-Fachkraft und Länderkoordinatorin von AGIAMONDO – ihre Erfahrungen. Im Folgenden fassen sie ihren Input kurz zusammen. 

Eine Frau mittleren Alters mit langen dunklen Haaren lächelt in die Kamera.
Lisa Picott
Eine Frau mittleren Alters mit kurzen lockigen Haaren in schwarzer Strickjacke lächelt in die Kamera.
Silke Pietsch-Cooper

Von Lisa Picott und Silke Pietsch-Cooper 

Angesichts zunehmender Ressourcenkonflikte, der Folgen des Klimawandels sowie von Erfahrungen aus der Friedens- und Konfliktarbeit hat Environmental Peacebuilding (EPB oder EnvPB) in den vergangenen zehn Jahren erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen.

Internationale Organisationen und Institutionen beschäftigen sich jedoch bereits seit den 1970er Jahren mit entsprechenden Ansätzen. Die EINE Definition für EnvPB gibt es nicht. Allen EnvPB-Konzepten gemeinsam ist jedoch ein interdisziplinärer und reflektierter Ansatz der Friedensförderung. Sie laden dazu ein, ganzheitlich zu denken und komplexe Systeme in ihrer Gesamtheit zu betrachten, um nachhaltige Friedensinterventionen zu entwickeln.

So können Erfahrungen und Methoden der Friedens- und Konfliktforschung beispielsweise dazu beitragen, Konflikte um den Zugang zu Wasser zwischen Gemeinden und staatlichen Akteuren zu schlichten. Umgekehrt kann Ressourcenknappheit Menschen auch dazu bewegen, aufeinander zuzugehen und einander zuzuhören – unabhängig von Religion, Ethnie, sozialem Status oder anderen Zugehörigkeiten. Der gemeinsame Mangel rückt dann als verbindendes Problem in den Fokus. In der Praxis sollte EnvPB auch nicht-westliche Vorstellungen und Ansätze wie zum Beispiel das Konzept der Pachamama (Mutter Erde) oder die Prinzipien der Permakultur einbeziehen.
Im Online-Fachgespräch der AGdD haben wir die unterschiedlichen Dimensionen des Environmental Peacebuilding und ihre Bedeutung für Berufsfelder und Tätigkeiten sowohl im Ausland als auch in Deutschland dargestellt. Aus unseren eigenen Erfahrungen als ZFD-Fachkräfte in Kenia und Kolumbien konnten wir Beispiele für die Komplexität und Interdisziplinarität von EnvPB anführen. 

Beide Länder sind seit Jahren von Ressourcenkonflikten und tiefgreifenden gesellschaftlichen Spaltungen geprägt, weisen jedoch sehr unterschiedliche ökologische und politische Ausgangsbedingungen auf. Kenia leidet stark unter den Folgen des Klimawandels. Daraus resultierende Umweltkatastrophen und Ressourcenknappheit stehen in enger Wechselwirkung mit sozialen und politischen Konflikten. Kolumbien hingegen verfügt über eine außergewöhnlich hohe Biodiversität und reichhaltige Wasserressourcen. Hier kämpfen große Teile der Bevölkerung seit 1948, teils auch schon länger, um einen gerechten Zugang zu Land. Die ungleiche Verteilung von Land und daraus entstehende Konflikte prägen und spalten die kolumbianische Gesellschaft bis heute.

In beiden Ländern haben wir erlebt, wie sehr Frieden, Konflikt und Umwelt mit dem Wunsch nach zivilgesellschaftlicher Teilhabe und Gerechtigkeit miteinander verwoben sind. Zugleich waren wir jedoch auch an der Entwicklung von Prozessen beteiligt, die sich mit dem Konzept von Environmental Peacebuilding fassen lassen. 
Im Online-Fachgespräch konnten wir beispielsweise ein Toolkit vorstellen, das unter anderem konkrete Instrumente zur Einbindung von Ideen der Permakultur umfasst und auch die Verbindung zwischen Frieden, Konflikt, Umwelt, Ressourcenmangel und interreligiösem Dialog schafft. 

Damit konnten wir den Teilnehmenden anhand konkreter Beispiele einen Einblick in die Realitäten der beiden Länder vermitteln und die lokal unterschiedlichen Verständnisse von EnvPB aufzeigen.

Linktipps

Denjenigen, die sich intensiver mit dem Thema Environmental Peacebuilding beschäftigen möchten oder nach Möglichkeiten suchen, auch in Deutschland in diesem Kontext zu arbeiten, empfehlen wir folgende Internetseiten. Dort finden sich interessante Beispiele und weiterführende Informationen:

Beirat Zivile Krisenprävention: Zivile Krisenprävention durch Environmental Peacebuilding – Umwelt- und klimaschutzorientierte Ansätze für nachhaltigen Frieden

Verschiedene Publikationen von Brot für die Welt zum Zivilen Friedensdienst 
(u.a. Analysis 109: Pathways for Just Peace

Paper über Environmental Peacebuilding - Gesamtumschlag zu EnvPB, Herausforderungen, Bezug zw. Klima, Umwelt, Frieden, Konflikt, sozialer Ungleichheit, nicht-eurozentrischen Ansätzen:

Brown, O. and Nicolucci-Altman, G. (2022): The White Paper on the Future of Environmental Peacebuilding, Geneva Peacebuilding Platform, International Union for Conservation of Nature, PeaceNexus Foundation, Environmental Law Institute, Environmental Peacebuilding Association

Konferenz zu EnvPB des Konsortium ZFD, plus Podcast zu Herausforderungen und Strategien von Partnerorganisationen

Hörenswerter Podcasts zum Thema:

Jetzt Mal ganz friedlich