Tag der offenen Tür im BMZ Bonn, 2026
Offene Gespräche und Geschlossenheit
Am 05.09.2026 war die AGdD zu Gast am Tag der offenen Tür des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Bonn. Gemeinsam mit einer Vielzahl an internationalen Organisationen präsentierte sich sowohl das BMZ, als auch Bonn als internationale Stadt. Im Gespräch mit zurückgekehrten Fachkräften konnte Ministerin Alabali Radovan neue Eindrücke gewinnen, die sie in anschließende Panels mit einfließen ließ – ein Tag voll offener Gespräche und ermutigender Geschlossenheit.
Anlässe zur Öffnung und für mehr Dialog gibt es reichlich: 2026 feiert die Stadt Bonn 30 Jahre Stadt der Vereinten Nationen, zudem ist 2026 das Jahr der Internationalen Freiwilligen. Und generell besteht mit Blick auf die Sparzwänge und den Legitimationsdruck auf die Entwicklungszusammenarbeit das Gebot, besser gemeinsam zu kommunizieren, warum internationales Engagement wichtig ist, wie es wirkt und was es mit uns zu tun hat.
Austausch auf Augenhöhe
Und hier waren es besonders die Standgespräche, die Hoffnung machen: Eine große Vielzahl an Menschen unterschiedlicher beruflicher Hintergründe und unterschiedlichen Alters und Herkunft konnte die Besonderheit von Entwicklungsdienst / Ziviler Friedensdienst auf direkte Weise nah gebracht werden – mit unseren Broschüren und Werbemitteln, unserer bunten Vielfalt an transfer-Ausgaben und besonders durch den direkten Austausch, auch dank der Mitarbeitenden unserer Mitgliedsorganisationen EIRENE, AGIAMONDO und PRO PEACE, die zum Teil als ehemalige Fachkräfte authentisch von ihrer Arbeit berichten konnten.
Die Ministerin zu Besuch
Sichtbar wurde auch eine Kernkompetenz der AGdD: die berufliche Reintegration zurückkehrender Fachkräfte. So waren Teilnehmende unseres Seminars “Arbeitsmarkt Entwicklungszusammenarbeit & Friedensarbeit – Einblick, Orientierung, Vernetzung” während des Tages auf dem Gelände unterwegs und informierten sich über weitere Arbeitsfelder, neue Organisationen und Karrierewege in der internationalen Zusammenarbeit. Als die Gruppe am AGdD Info-Stand war, kam auch Ministerin Alabali Radovan zu Besuch – ein besonderer Höhepunkt des Tages. Sie suchte und fand den direkten Austausch mit Rückkehrer*innen aus dem Entwicklungsdienst / Zivilen Friedensdienst, die direkt von ihren Einsätzen berichten konnten.
Deutsche Werte sind deutsche Interessen
Während des Besuchs und der Panels wurde deutlich, wie herausfordernd es aktuell ist, mit den Themen Entwicklungszusammenarbeit und internationale Solidarität gesellschaftlich durchzudringen und anschlussfähig zu sein. Eine Rückkehrerin aus dem Zivilen Friedensdienst fragte die Ministerin mit Blick auf deutsche Interessen in der internationalen Zusammenarbeit: „Wo liegen die Schwerpunkte dieser Interessen? Sind das rein ökonomische Interessen, Sicherheitsinteressen oder Migrationsmanagement? Und wie gedenken Sie, welche operativen Handlungsänderungen müssen wir einführen, um diese Ziele zu erreichen?“ Darauf Alabali Radovan: „Ich glaube, da müssen wir uns fragen, was sind eigentlich deutsche Werte und Interessen? Weil für mich ist ganz klar, deutsches Interesse ist auch, dass Menschenrechte eingehalten werden, dass wir etwas gegen den Klimawandel tun, dass wir etwas für Frauenrechte tun, dass wir auch feministische Entwicklungspolitik weiter beibehalten, weil sie eben Frauen, Mädchen in den Mittelpunkt stellt und schützt als vulnerable Gruppe. Das sind für mich auch deutsche Werte und Interessen, auch nach unserem Grundgesetz. Das sind die Werte, die wir vertreten und deshalb stellt sich für mich eigentlich überhaupt nicht die Frage, deutsche Interessen oder Werte geleitet, weil für mich ist beides eins.“ Gleichzeitig müsse es aber auch darum gehen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken.
Anerkennung und Appell
Zum Engagement von Fachkräften im Entwicklungsdienst / Ziviler Friedensdienst fand Alabali Radovan anerkennende Worte. Es gehe nämlich nicht darum, “dass Menschen nur irgendwie für ein paar Wochen irgendwo hingehen, sondern wirklich für eine lange Zeit”, um Deutschland zu vertreten. “Von daher ganz, ganz, ganz herzlichen Dank!”
Schlussendlich warf die Ministerin einen Blick auf die Haushaltsdebatten und unterstrich, dass das Budget ihres Hauses bei gerade 1,8% des Bundeshaushalts liege, die in Frieden, Sicherheit und Wohlstand investiert würden und dass die guten Ergebnisse statistisch belegt seien. Alle international Engagierten ermutigte sie zu mehr gegenseitiger Unterstützung im politisch-gesellschaftlichen Räumen, “immer wieder dafür zu werben, bei den Politikerinnen und Politikern, die Sie treffen, dass es ein Bereich ist, für den es sich zu kämpfen lohnt und dass der auch den Menschen in Deutschland wichtig ist. Das wäre meine Bitte und mein Appell auch an Sie.”
Überzeugung ist Arbeit
Die AGdD-Vorsitzende Caroline Wiegand ließ die Gespräche und Begegnungen am Tag der offenen Tür Revue passieren und schreibt: “Umso wichtiger war der direkte Austausch darüber, was wir als NGOs und als Zivilgesellschaft beitragen können, um die zentrale Arbeit des BMZ noch besser zu unterstützen. Eine Frage, die uns dabei beschäftigen muss, ist etwa, wie wir die Wirkungen der durch das BMZ geförderten Programme sichtbarer und verständlicher vermitteln können. Angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel müssen wir noch überzeugender zeigen, was Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung konkret bewirkt und warum sie auch im deutschen Interesse relevant ist.” Was bereits zum Tag der offenen Tür in Berlin klar geworden ist und in Bonn nochmal unterstrichen wurde: “Deutschland braucht Partnerschaften” – die im Falle personeller Zusammenarbeit langfristig wirksam werden.
Die AGdD und ihre Mitgliedsorganisationen danken herzlich für die Einladung, für die Gespräche und für ein starkes gemeinsames Zeichen des Zusammenhalts!