Tag der offenen Tür im BMZ in Berlin 2026

"Deutschland braucht Partnerschaften."

Am 20. und 21.6.2026 war die AGdD zu Gast am Tag der offenen Tür des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin. Dabei wurde das interaktive Info-Angebot rund um den Entwicklungsdienst gut angenommen. An beiden Tagen konnten Rückkehrer*innen aus dem Entwicklungsdienst / Ziviler Friedensdienst im Rahmen der Talks “Darum internationale Zusammenarbeit” wichtige Beiträge leisten – als lebendige Beispiele für die konkrete Umsetzung von politischen Entscheidungen und Zielen.

Staatssekretär Niels Annen (BMZ) im Gespräch.
Staatssekretär Niels Annen (BMZ) im Gespräch.

“Deutschland braucht Partnerschaften.”, erklärte Staatssekretär Niels Annen (BMZ) dem Publikum während einer Gesprächsrunde, an dem auch Kepiaya Prabaharan, BMZ-Jugend-Beirat, und Lenja Tabbal, ehemalige Fachkraft im Entwicklungsdienst (GIZ) und aktuell Projektleiterin bei bremen-global e.V., teilgenommen haben. Annen führte aus: “Da geht es auch um unsere eigenen Interessen. Und ich glaube, man muss weder aus einer religiösen noch aus einer politischen oder ethischen Überzeugung kommen, um zu erkennen, dass es für uns nicht gut ist, wenn um uns herum die Menschen hungern, wenn es um uns herum Kriege und Konflikte gibt, wenn wegen dieser Kriege, wegen der Konflikte, wegen des Drucks in den Gesellschaften die internationale Ordnung unterminiert wird.” Sein Ministerium habe sich über die letzten Jahrzehnte mit Ländern beschäftigt, die in der allgemeinen Wahrnehmung eher unterrepräsentiert seien. Doch “diese Länder sind zum Teil heute alle auf der Weltbühne, haben alle etwas zu sagen, bestimmen die internationale Politik mit und Deutschland braucht diese Partnerschaften mehr denn je.”

Als jüngste Stadtverordnete Kassels und Mitglied des BMZ-Jugendbeirates lenkte Prabaharan den Blick auf die Wechselseitigkeit von Entwicklungszusammenarbeit: Einerseits sei der Perspektivwechsel nötig, um zu erkennen, dass junge Menschen im Globalen Süden mit gleichwertigen Abschlüssen nicht dieselben Chancen hätten wie in Deutschland, anderseits sei es in Deutschland wichtig, die Komplexitäten anzuerkennen und zu sehen, “welche Machtstrukturen dahinter sind”, damit wir “nicht nur empathisch genug sind, sondern auch solidarisch gegenüber anderen jungen Menschen”

Als Fachkraft im Entwicklungsdienst, die mit der Zielgruppe auf der Mikro-Ebene zusammenarbeite und Wirkungen direkt sehen könne, beantwortete Lenja Tabbal, die über zwanzig Jahre auf dem afrikanischen Kontinent u. A. in nachhaltiger Waldwirtschaft aktiv war, die Frage nach dem Stellenwert der Entwicklungszusammenarbeit so: “Es gibt so viele globale Herausforderungen auf der Welt, das schafft kein Mensch, das schafft keine Regierung, das schafft auch kein Land alleine.” Man könne und müsse immer voneinander lernen. Außerdem gebe es “eine gewisse Verantwortung aus der Perspektive heraus, dass sich durch koloniale Strukturen und Machtweisen” einiges gehalten habe, von dem der Globale Norden profitiere. Damit sei es ein Akt des Zurückgebens, wenn man dabei unterstütze, die Wirtschaft anderer Länder aufzubauen und Lebensgrundlagen zu schaffen.

Was uns Waldschutz in The Gambia bringt

Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.
Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.

Die Frage nach dem ‘big picture’ der Entwicklungszusammenarbeit und, was uns Waldschutz in The Gambia in Deutschland bringen würde, beantwortete Staatssekretär Annen mit dem Klimawandel als globale Herausforderung. Zu einen würden klimaangepasste Landwirtschaften Krisenregionen besser stabilisieren. Zum anderen: “Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, […] dann reicht es nicht, wenn wir in Deutschland die Klimaziele erreichen.” Häufig sei es so, “dass wir mit den Mitteln, die wir einsetzen, in afrikanischen, in lateinamerikanischen, in asiatischen Partnerländern mehr erreichen.” Deswegen sei das BMZ ein engagierter Partner für “Klimafinanzierung”. An den Instrumenten gegen Klimaschäden, die eigentlich für den Globalen Süden entwickelt wurden, sei “inzwischen auch in Ländern wie Deutschland, in Europa, in Nordamerika, in den entwickelten Volkswirtschaften großes Interesse” vorhanden. Wirksam wurde der Waldschutz in The Gambia besonders durch den Einsatz von Fachkräften im Entwicklungsdienst, da in jeder Region eine Person war, die direkt mitbekommen habe, welche Maßnahmen Erfolg hatten und welche nicht, denn es wurde “an der Wurzel mitgearbeitet”, ergänzte Tabbal. Das Waldprojekt in The Gambia startete vor 25 Jahren und läuft bis heute erfolgreich weiter. 

Warum sich Entwicklungszusammenarbeit rechnet

Annen erklärte weiter, dass nicht nur aus Verantwortung oder Barmherzigkeit Entwicklungszusammenarbeit wichtig sei, sondern vor allem als Wirtschaftsfaktor für Deutschland: Wenn Hunger und Armut bekämpft und Gesundheit gefördert würden, seien Regionen auch für Investitionen und Engagement deutscher Firmen von Interesse. Über Finanzierungsinstrumente des BMZ würde Geld zurückkommen. Die aktuellen Kürzungen für die Entwicklungszusammenarbeit haben gravierende Auswirkungen. Man sehe, dass “Zwangsprostitutionen wieder höher sind, dass Mädchen nicht mehr Bildung genießen, dass Gleichberechtigung deutlich zurückgeht”. Mit Blick auf die Kürzungen müsse man sich die Fragen stellen: “Was bedeutet das denn für Kinder in der Zukunft, also Kinder, die auch in Minen arbeiten? […] Wo profitieren wir an Kosten von Kindern? Und ich finde, das fehlt mir insgesamt in der Debatte, wenn man über Kürzungen spricht: Wem schaden wir gerade damit? Und was für ein Bild vertreten wir? Was für eine Zukunft wollen wir haben, wenn wir […] ein vielfältiges, ein offenes, ein fortgeschrittenes Land sein wollen?” Annen schloss mit der positiven Botschaft, dass Entwicklungszusammenarbeit gut investiertes Geld sei, das ermögliche, “nachhaltig und verantwortlich zu wirtschaften”

Was Dürren in Brandenburg mit Konflikten und Flucht zu tun haben

Am zweiten Tag ging es im BMZ-Talk ‚Darum internationale Zusammenarbeit‘ mit Marc Schattenmann, Abteilungsleiter im BMZ, und Simon Fischer, Rückkehrer aus dem Zivilen Friedensdienst (WFD) schwerpunktmäßig um das Thema Wasser. Schattenmann erklärte, das Entwicklungszusammenarbeit immer mittel- bis langfristig angelegt sei. Man müsse langfristig an den Projekten arbeiten, damit die Wirkung messbar würde. Es gehe nicht um Wasserverteilung, sondern um Wassermanagement. “Wenn man einigermaßen aufgeklärt ist, sieht man, es gibt einen Zusammenhang: Niedrigwasser im Rhein oder Dürre in Brandenburg hat was mit dem zu tun, was im Amazonas passiert oder im Kongo.” 

Konkrete Erfolge beschrieb Fischer mit dem Engagement in Kenia: Durch Aufklärungsarbeit konnten lokale Bauern überzeugt werden, auf die Anpflanzung von wasserintensiven Eukalyptus zu verzichten, damit ‘downstream’ noch genug Wasser übrig sei. Wasserknappheit sei der Hauptgrund für regionale Konflikte, Gewalt, Vertreibung und Flucht in Kenia und Anrainern. Mit einem emotionalen Beispiel nahm Fischer auch die Anwesenden in die Pflicht: Kenianische Rosen machen ca. ¾ aller Rosen in Deutschland aus. Fischer habe “neben den Rosenfarmen gewohnt. […] Am Mount Kenya gibt es noch Regen und da sieht man dann, wie die Flüsse vom Mount Kenya runterfließen.“ Die Rosenfarmen hätten große Auffangbecken. Dahinter „fließt nur noch ein Rinnsal hinten raus. Das heißt, alle Menschen, die dahinter wohnen, haben keine Möglichkeit mehr, dieses Wasser zu nutzen für den Anbau von Gemüse. Die Rosen werden dann tiefgekühlt in LKWs nach Nairobi gefahren, dann mit dem Flugzeug nach Frankfurt gebracht und von Frankfurt aus überall in Deutschland verteilt. Und dann stehen die sieben Tage auf dem Tisch und das ist dann das kenianische Wasser, was wir in Deutschland dann auf dem Tisch stehen haben.”

Zur Programmidee "Internationaler Klimadienst"

Wie Entwicklungsdienst auf die Klimakrise reagieren kann: Unsere Programmidee Internationaler Klimadienst

„Ist Kinderarbeit in meinem Kakao?“

v.l.n.r.: Marc Schattenmann, BMZ, Simon Fischer, Rückkehrer aus dem Zivilen Friedensdienst, Katie Gallus, Moderatorin.
v.l.n.r.: Marc Schattenmann, BMZ, Simon Fischer, Rückkehrer aus dem Zivilen Friedensdienst, Katie Gallus, Moderatorin.

Schattenmann erläuterte die große Bedeutung von internationalen Regeln, die mit dem Lieferkettengesetz eine wichtige Komponente erhielten. Man müsse sich immer die Frage stellen, wie viel Kinderarbeit in unseren Produkten stecke. Schließlich könne es uns nicht egal sein, “wo die Sachen herkommen, die wir konsumieren und dass wir damit eben Einfluss ausüben können, wie Produktionsbedingungen sind.” Weitere wichtige Instrumente seien der ‘Tropical Forest Forever Fund’, der dazu beitragen solle, die Regenwälder für immer zu schützen, sowie der ‘Lost Damage Fund’, denn Klimaschäden seien inzwischen so heftig, dass in manchen Inselstaaten alles vernichtet sei. Der ‘Lost Damage Fund’ sei “eine Anerkennung, dass es die westliche Industriewelt war, die das im Grunde verursacht hat.”

Zum Ende wurde nochmal der Wert von internationalen Partnerschaften betont. Schattenmann erläuterte: “Insgesamt ist Entwicklungszusammenarbeit in allen unseren Partnerländern auch immer ein Stück Völkerverständigung, Miteinander reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.” Dabei gebe es “viele Themen, wo wir auch viel lernen können von unseren Partnern. Beispiel Digitalisierung.” Die afrikanischen Partner seien z. B. in Sachen ‘mobile economy’ viel weiter. 

Die zwei Tage am Berliner BMZ haben Hoffnung gemacht – nicht nur durch die Präsenz auf den Talks und den Brückenschlag zur den großen politischen Makro-Themen wie Klimakrise, Konflikte und Flucht, sondern auch durch die Gespräche am Info-Stand der AGdD, wo wir viele Interessierte abholen konnten und mithilfe von den zurückgekehrten Fachkräften Daniela Schlichter, Louis Addy, Dr. Dirk Bornschein und Kolja Stang sowie von Mitarbeiter*innen von Weltfriedensdienst e.V. authentische Einblicke liefern durften. 

Am 05. September sind wir wieder im BMZ vertreten – diesmal in Bonn.

Der Tag der offenen Tür im BMZ Berlin 206 in Bildern

Tag der offenen Tuer im BMZ
Tag der offenen Tuer im BMZ in Berlin, 20.06.2026. / Fotografiert im Auftrag des Bundesministeriums fuer wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit.
Bundesministerin Alabali Radovan bei der Eröffnung.
Bundesministerin Alabali Radovan bei der Eröffnung.
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Annika Mardanova (Weltfriedensdienst e.V.) am AGdD-Infostand.
Annika Mardanova (Weltfriedensdienst e.V.) am AGdD-Infostand.
Annika Mardanova (Weltfriedensdienst e.V.) am AGdD-Infostand.
Annika Mardanova (Weltfriedensdienst e.V.) am AGdD-Infostand.
Tag der offenen Tuer im BMZ
Tag der offenen Tuer im BMZ in Berlin, 20.06.2026. / Fotografiert im Auftrag des Bundesministeriums fuer wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit.
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Am AGdD-Infostand
Konsortium Ziviler Friedensdienst und AGdD
Konsortium Ziviler Friedensdienst und AGdD
Staatssekretär Niels Annen im Gespräch.
Staatssekretär Niels Annen im Gespräch.
v.l.n.r.: Niels Annen, Kepiaya Prabaharan, Lenja Tabbal, Katie Gallus
v.l.n.r.: Niels Annen, Kepiaya Prabaharan, Lenja Tabbal, Katie Gallus
Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.
Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.
Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.
Lenja Tabbal spricht von ihren Erfahrungen als Fachkraft im Entwicklungsdienst.
Gabi Waibel, AGdD, Niels Annen und Lenja Tabbal.
Gabi Waibel, AGdD, Niels Annen und Lenja Tabbal.
Staatssekretär Annen zu Besuch am AGdD-Stand.
Staatssekretär Annen zu Besuch am AGdD-Stand.
Staatssekretär Annen zu Besuch am AGdD-Stand.
Staatssekretär Annen zu Besuch am AGdD-Stand.
Am AGdD-Infostand.
Am AGdD-Infostand.
Rückkehrer Louis Addy im Gespräch am AGdD-Infostand.
Rückkehrer Louis Addy im Gespräch am AGdD-Infostand.
v.l.n.r.: Marc Schattenmann, BMZ, Simon Fischer, Rückkehrer aus dem Zivilen Friedensdienst, Katie Gallus, Moderatorin.
v.l.n.r.: Marc Schattenmann, BMZ, Simon Fischer, Rückkehrer aus dem Zivilen Friedensdienst, Katie Gallus, Moderatorin.

Wie Entwicklungsdienst Internationale Partnerschaften fördert.

Die nächsten AGdD-Termine

  • Tag der Vereinten Nationen
    10. Oktober 2026, Bonn, Rathausplatz
  • Filmvorführung “Black faces in white? space” von thabo thindi
    12. November 2026, Brotfabrik Bonn
  • Infostand auf der Messe engagement weltweit
    21. November 2026, Rhein Sieg Forum, Siegburg