Geschichte

der AGdD und des Förderungswerkes

 

Die AGdD gibt es seit den 1990er Jahren - das Förderungswerk schon deutlich länger. Hier finden Sie einen kurzen Überblick über unsere Geschichte. 


1960er / 1970er

Anfänge und Grundlagen

Die Entwicklungsdienste waren in der jungen Bundesrepublik unter den ersten Institutionen, die Entwicklungszusammenarbeit gestalteten. Die ersten Fachkräfte wurden von kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Diensten entsandt noch bevor es das Entwicklungsministerium überhaupt gab. Am 18. Juni 1969 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Entwicklungshelfergesetz (EhfG), das den Entwicklungsdienst erstmals rechtlich verankerte. Damit wurde der Entwicklungsdienst fester Bestandteil der bundesdeutschen Entwicklungszusammenarbeit und wird seitdem staatlich gefördert. Das Gesetz legt u.a. vertragliche Rahmenbedingungen der Entwicklungsdienstverträge fest und benennt die Aufgaben der Träger. Da Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer einen solidarischen Dienst ohne Erwerbsabsicht leisten, übernehmen die Träger und der Staat eine Fürsorgepflicht sowie die soziale Grundsicherung. 

Die Grundsicherung umfasst auch die Rückkehr. So legt § 12 des EhfG fest, dass nach Deutschland zurückgekehrte Entwicklungshelfer/innen, die einen neuen Arbeitsplatz suchen, „unter Berücksichtigung der besonderen Erfahrungen und Erkenntnisse […] vermittelt und beruflich gefördert werden“ sollen.

Vorausschauend gründete die Karl-Kübel-Stiftung als juristischer Träger bereits im Januar 1969 das Förderungswerk, das genau diese Aufgabe wahrnehmen sollte. Die Steuerung übernahm ein neu gebildeter Trägerkreis, der sich aus den Trägern der Entwicklungsdienste sowie der Karl-Kübel-Stiftung zusammensetzte. Die Aufbauphase wurde noch aus Eigenmitteln finanziert, Ende 1970 bewilligte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine finanzielle Förderung der Rückkehrarbeit.

Erste Entwicklungshelfer/innen waren im Auftrag von Dienste in Übersee (DÜ) schon ab 1961 und des Deutschen Entwicklungsdiensts (DED) ab 1964 nach Tansania, Indonesien, Libyen, Afghanistan oder Indien ausgereist. Sie waren die ersten, die sich an das Förderungswerk wandten. Im Jahr 1968/69 nahmen bereits 239 zurückgekehrte Fachkräfte von fünf Trägern (Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Deutscher Entwicklungsdienst (DED), Dienste in Übersee (DÜ), EIRENE, Weltfriedensdienst (WFD)) die Leistungen des Förderungswerks in Anspruch, 1972 waren es schon 357. Die Angebote umfassten in den ersten Jahren:

  • Bildungsberatung
  • Stipendien für berufliche Fortbildungen
  • Seminare (ab 1970)

1980er

Neue Trägerschaft für das Förderungswerk

Mitte der 1980er-Jahre kündigte die Karl-Kübel-Stiftung an, das Projekt „Förderungswerk“ abgeben zu wollen. Mit Zustimmung des BMZ ging die Trägerschaft 1987 interimistisch für ein Jahr an den Arbeitskreis "Lernen und Helfen in Übersee" (AKLHÜ). Der Trägerkreis benannte sich in „Arbeitsgemeinschaft der Dienste“ um, woraus sich bis heute die Abkürzung „AGdD“ ableitet.

Im Oktober 1987 bat der Trägerkreis die Carl Duisberg Centren gGmbH (CDC) in Köln, die juristische Trägerschaft des Förderungswerkes zu übernehmen. Zu Jahresbeginn 1988 wurde der Wechsel vollzogen.

1989 erschien die erste Ausgabe von transfer, der Zeitschrift des Förderungswerkes mit Informationen für Rückkehrer/innen zur beruflichen Wiedereingliederung. Die Schriftenreihe „Bildungsinformationen für deutsche Fachkräfte im Ausland“ (insgesamt 12 Ausgaben in den Jahren 1982 bis 1984) wurde eingestellt. Die transfer erschien zunächst vierteljährlich, bot umfangreichere Informationen und enthielt erstmals auch Erfahrungsberichte von zurückgekehrten Fachkräften. Die anderen Arbeitsbereiche des Förderungswerkes, Beratung, finanzielle Fortbildungsförderung und Seminare wurden weitergeführt.

1990er

Vereinsgründung

Am 31.03.1994 wurde die Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V. (AGdD) als Dachverband der anerkannten Träger des Entwicklungsdienstes gegründet. Gründungsmitglieder waren:

  • Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH)
  • Deutscher Entwicklungsdienst e.V. (DED)
  • Dienste in Übersee e.V. (DÜ)
  • Christliche Fachkräfte International e.V. (CFI)
  • EIRENE – Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V.
  • Weltfriedensdienst e.V. (WFD)

 

Der in der Satzung (08.12.1994) festgelegte Zweck des Vereins umfasste:

  • den Erfahrungsaustausch und die Beratung unter den einzelnen Entwicklungsdiensten zu gewährleisten,
  • gemeinsame Interessen der Entwicklungsdienste zu vertreten,
  • einen Beitrag zur internationalen Verständigung und entwicklungspolitischen Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten,
  • in Angelegenheiten der Personalentsendung Ansprechpartner für Parlament, Regierung und Parteien zu sein.

 

25 Jahre Förderungswerk

Im gleichen Jahr feierte das Förderungswerk sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Festakt in Köln. Der Geschäftsführer der CDC, Herr Schlaghecke, lobte die Professionalität und das spezifische Rückkehrverständnis seines vierköpfigen Teams und betonte, dass „… die Grundidee des Förderungswerks gut ist. Mehr noch, ich halte sie für eine Notwendigkeit“

Die Bilanz der zwischen 1969 und 1994 erbrachten Leistungen gibt ihm Recht:

  • 7.000 Bildungsberatungen durchgeführt
  • 700 Stipendien für Weiterbildungen vergeben
  • Seminare für 4.500 Rückkehrerinnen und Rückkehrer gestaltet

 

Etablierung des Zivilen Friedensdienstes

Die Idee für einen Zivilen Friedensdienst entstand in den friedenspolitischen Bewegungen der 80er Jahre, während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien wurde das Anliegen immer dringlicher. Verschiedene Gruppen schlossen sich zusammen und intensivierten ihre Lobbyarbeit, 1998 waren sie schließlich erfolgreich: Unter der neuen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (BMZ) wurde der Zivile Friedensdienst gegründet. 1999 übernahmen die ersten Fachkräfte Aufgaben in der Prävention und gewaltfreien Transformation von Konflikten, insbesondere in fragilen und von Konflikten betroffenen Staaten. Die vertragliche Grundlage für die Entsendung der Fachkräfte bildet das Entwicklungshelfergesetz. 

2000er

Übergabe der Trägerschaft für das Förderungswerk an die AGdD

2002 übernahm die AGdD e.V. die Trägerschaft für das Förderungswerk, der alte Trägerkreis wurde aufgelöst. Die Mitarbeiter/innen des Förderungswerks zogen nach Bonn um und bildeten fortan eine Bürogemeinschaft mit dem AKLHÜ. Ein Kooperationsvertrag zwischen AGdD und AKLHÜ legte fest, dass die Geschäftsführung des AKLHÜ auch die geschäftsführenden Aufgaben der AGdD ausübte. Das Förderungswerk hatte eine eigene Leitung für alle geschäftlichen und inhaltlichen Belange und berichtete direkt dem Vorstand.

Die 2003 geänderte Satzung der AGdD trug diesen Veränderungen Rechnung. Der Gesellschaftszweck war um einen fünften Punkt erweitert worden und umfasste fortan auch „die Förderung der Reintegration von rückkehrenden Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern (Fachkräfte)“. Die Aufgaben des Förderungswerks selbst blieben unverändert, die Nachfrage war weiterhin groß.

Im März 2007 wurde das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) offiziell als Träger des deutschen Entwicklungsdienstes anerkannt und im Juni siebtes Mitglied der AGdD. 

2010er

Veränderungen in der Mitgliedschaft

2011 fusionierten die Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH (InWent), die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH und der Deutsche Entwicklungsdienst e.V. (DED) zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Darüber hinaus wurde Dienste in Übersee (DÜ) (1999 im neu gegründeten Evangelischen Entwicklungsdienst e.V. eingegliedert) mit der Gründung des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung (EWDE) Teil von Brot für die Welt (BfdW) (2012); der neue Sitz des Werkes ist Berlin. 

Die Fusionen zeigten auch Wirkung in der AGdD, die seit 2012 folgende Mitglieder hat:

  • Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH)
  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH 
  • Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst (BfdW-EED)
  • Christliche Fachkräfte International e.V. (CFI)
  • EIRENE – Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V.
  • Weltfriedensdienst e.V. (WFD)
  • Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD)


50 Jahre Entwicklungsdienst

2013 zogen die Träger der Entwicklungsdienste Bilanz: In 50 Jahren sind mehr als 28.000 Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer von den staatlich anerkannten Trägern vermittelt worden. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen, entwicklungspolitischen Konzepte und Anforderungen an die Fachkräfte mitunter stark verändert haben, sind sich die Träger einig: Entwicklungshelfer/innen leisten durch die Gestaltung partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Menschen und Organisationen weltweit einen signifikanten Beitrag zu globaler Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität.

 

Veränderungen in der Geschäftsstelle

2015 hat die Mitgliederversammlung der AGdD eine eigene, hauptamtliche Geschäftsführung berufen, die seit Juni 2015 die Geschäftsstelle leitet. Das Büro ist noch im selben Jahr umgezogen und bildet eine Bürogemeinschaft mit dem AKLHÜ. 


Leitbild

Das Leitbild verdeutlicht die Ziele und das Selbstverständnis der AGdD und des Förderungswerks.