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Was ist Entwicklungsdienst?

Entwicklungsdienst – was heißt das?

Das EhfG

Laden Sie sich das Entwicklungshelfer-Gesetzes (EhfG) hier als PDF herunter.

Das EhfG (PDF)

Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer (EH) sind berufserfahrene Fachkräfte, die auf Basis eines Entwicklungshelfer-Dienstvertrags für eine befristete Zeit in einem Land des globalen Südens leben und arbeiten. Das Besondere am Entwicklungshelfer-Vertrag ist, dass die Arbeit als solidarischer Dienst definiert ist und, laut Gesetz, ohne Erwerbsabsicht erfolgt.

Die Rahmenbedingungen für dieses Engagement sind im Entwicklungshelfergesetz (EhfG) festgeschrieben. Dieses regelt die vorgesehenen Leistungen und die soziale Absicherung der Fachkräfte. Dort ist auch festgelegt, nach welchen Kriterien Träger des Entwicklungsdienstes als solche anerkannt werden. Nur diese Träger können Entwicklungshelfer-Dienstverträge schließen.

Träger der Entwicklungsdienste

In Deutschland sind derzeit sieben Organisationen als Träger des Entwicklungsdienstes anerkannt: Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Dienste in Übersee (unter der Marke "Brot für die Welt"), Christliche Fachkräfte International (CFI), EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst, Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Weltfriedensdienst (WFD).

Diese Träger gestalten die Einsatzmöglichkeiten von Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern. Dabei folgen die Träger unterschiedlichen Verfahren: Oft geht der Entstehung eines neuen EH-Arbeitsplatzes die Anfrage einer lokalen Organisation voraus und die Ziel- und Aufgabenbeschreibung ist das Ergebnis partnerschaftlicher Aushandlungsprozesse. Es gibt aber auch Träger, die eigene Projekte und Programme entwickeln und Fachkräfte dort einsetzen. Letztlich entstehen Stellen für Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer auch in Vorhaben Dritter, d.h. sie sind in eine Kooperation mit einem anerkannten Träger eingebettet. Allen Einsatzmöglichkeiten ist gemein, dass sich die Tätigkeit der Fachkräfte am Bedarf im jeweiligen Partnerland orientiert.

Den Entwicklungsdienst gibt es seit über 50 Jahren. In dieser Zeit hat sich viel verändert, nicht zuletzt auch unser Verständnis von dem, was 'Entwicklung' bedeutet und was Entwicklungsdienst überhaupt leisten kann. Im Vordergrund stehen heute die Kombination von Fach- und Partnerschaftlichkeit, das gemeinsame Lernen, der interkulturelle Austausch auf Augenhöhe und die Erarbeitung und Umsetzung lokal relevanter Problemlösungsstrategien. Frieden und soziale Gerechtigkeit sind Leitmotiv eines jeden Entwicklungsdienstes.

Eine in 2015 vom Deutschen Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) herausgegebene Studie zeigt, was das in der Praxis bedeutet. Demnach entfaltet die Arbeit von Entwicklungshelfer/innen gerade dann ihre positive Wirkung, wenn sie in der Zusammenarbeit auf folgenden Prinzipien basiert:

  • Gemeinsames Erfahrungswissen schaffen und fördern
  • Vertrauen aufbauen
  • Ownership respektieren und gewährleisten
  • Produktive Fremdheit nutzen
  • Empowerment fördern

Entwicklungsdienst in Zahlen

Nach wie vor reisen jährlich mehrere Hundert engagierte Fachkräfte aus. Am 31.12.2016 (Stichtag der letzten AGdD Erhebung) waren 1.182 Fachkräfte in weltweit 87 Ländern unter Entwicklungshelfer-Vertrag. Fachkräfte im Entwicklungsdienst arbeiten in allen Sektoren der deutschen Entwicklungszusammenarbeit; dazu zählen z.B. Umweltschutz und Energie, Menschenrechte, Wirtschaftsförderung, Gesundheit, Migration & Flucht oder Bildung. Gut ein Viertel aller Entwicklungshelfer/innen sind im Programm Ziviler Friedensdienst tätig. 

Wie werde ich Entwicklungshelfer/in?

Wer heutzutage in den Entwicklungsdienst will, muss eine gute Ausbildung und Berufserfahrung mitbringen. Den Beruf 'Entwicklungshelfer/in' gibt es nicht und entwicklungspolitische Kenntnisse sind zwar von Vorteil, aber für viele Stellen nicht zwingend erforderlich. Vielmehr werden ganz unterschiedliche, jedoch klar definierte Qualifikationen gebraucht. In allen Stellenausschreibungen sind die spezifischen fachlichen Anforderungen und gesuchten Kompetenzen präzisiert und interessierte Bewerber/innen sollten diese mit ihrem Profil abgleichen. Schließlich spielt auch die Motivation eine wichtige Rolle: Im Entwicklungsdienst geht es neben der Fachlichkeit auch um Haltung und Werte - die einzelnen Träger machen dies in ihren Ausschreibungen i.d.R. sehr deutlich.

Darüber hinaus sind Fremdsprachenkenntnisse erforderlich und, für die meisten Arbeitsorte, auch eine, den tropischen Bedingungen angemessene, gute Gesundheit. Entwicklungshelfer/innen müssen zudem die Bereitschaft mitbringen, sich auf ganz andere Lebens- und Arbeitsbedingungen einzulassen. Dies beinhaltet nicht nur eine kulturelle Offenheit und grundsätzliche Lernbereitschaft, sondern auch einen entspannten Umgang mit Einschränkungen (z.B. technischen Kommunikationsmöglichkeiten, Konsumgewohnheiten, Freizeitgestaltung).

Vertragsdauer

Seit der letzten Gesetzesnovellierung (2016) ist ein unter zweijähriger Entwicklungsdienst möglich. Die durchschnittliche Vertragsdauer liegt allerdings bei knapp drei Jahren und viele Stellenangebote sind auf einen mindestens zweijährigen Dienst ausgelegt. Ergänzend kommt i.d.R. eine Vorbereitungszeit im Inland hinzu; in dieser Zeit nehmen Fachkräfte an trägerspezifischen Schulungen und anderen Qualifizierungsmaßnahmen teil.

Nach dem Dienst

Dem Entwicklungsdienst liegt das Grundverständnis inne, dass rückkehrende Fachkräfte mit ihren vielfältigen und besonderen Erfahrungen auch ein Gewinn für die deutsche / europäische Gesellschaft sind. Auch unterstützen die Träger ihre rückkehrenden Fachkräfte und das Förderungswerk der AGdD bietet einen ganz besonderen Service mit Blick auf die weitere berufliche Orientierung an.