Rückkehr mit (binationaler) Familie

Wenn Sie die Rückkehr aus dem Entwicklungsdienst für eine Familie planen, ist vieles zu bedenken. Wie schon bei der Ausreise ist (leider) nicht alles plan- oder absehbar.

Wenn Sie aber im Ausland einen neuen Lebenspartner oder eine neue Lebenspartnerin aus einem Nicht-EU-Land gefunden haben, müssen Sie zusätzliche Gesichtspunkte beachten. Die individuelle und familiäre Lebensgestaltung von binationalen Paaren und Familien wird stark von rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem Ausländerrecht und dem Familienrecht bestimmt. Hier finden Sie erste Hinweise.
Informationen zu Kindern und Schule haben wir außerdem hier zusammengestellt.

Vorbereitungen noch im Ausland

Tipp: Deutsch lernen - online oder als App

Es gibt zahlreiche mehrsprachige Online-Kurse und Apps, um Deutsch zu lernen oder zu üben. Hier eine Auswahl:

Ich will Deutsch lernen

Deutsche Welle

Solange Sie sich noch im Einsatzland befinden, sind verschiedene Dinge vorzubereiten. So sollten Sie alle relevanten Dokumente (Zeugnisse, Urkunden über Geburt, Heirat, Scheidung, Nachweis über Namensänderungen etc.) des ausländischen Partners/der ausländischen Partnerin und ggf. der Kinder sammeln, übersetzen und ggf. beglaubigen lassen.

Am besten kopieren oder scannen Sie alle wichtigen Dokumente zur Sicherheit. Nehmen Sie möglichst frühzeitig Kontakt mit der deutschen Auslandsvertretung auf, um das Verfahren der Visumsbeantragung zu klären. Oft gibt es lange Bearbeitungszeiten oder feste Fristen.

Ihre ausländische Partnerin / Ihr ausländischer Partner sollte schon möglichst im Ausland Deutsch-Unterricht nehmen und sich dies zertifizieren lassen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Online-Angebote und Apps, um Deutsch zu lernen und zu üben, die zwar hilfreich sind, aber keinen qualifizierenden Sprachkurs ersetzen. Ein Start ist es allemal.

Einreise nach Deutschland

Angehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union können ohne Visum nach Deutschland einreisen, Ausländerinnen und Ausländer aus anderen Herkunftsländern (sog. „Drittstaaten“) benötigen in der Regel ein Visum. Das Visum muss persönlich im Heimatland bei den deutschen Auslandsvertretungen, also der deutschen Botschaft oder dem Konsulat beantragt werden. Sollte es dort keine deutsche Vertretung geben, oder Sie leben in einem anderen Land als dem Heimatland des Ehepartners: informieren Sie sich im Internet beim Auswärtigen Amt. Dort finden Sie Informationen zur Einreise nach Deutschland und zu Visabestimmungen. 

Familienzusammenführung

Wenn Sie im Ausland geheiratet haben, muss Ihr ausländischer Partner oder Ihre ausländische Partnerin bei der deutschen Vertretung im Ausland ein Visum zur Familienzusammenführung (Ehegattennachzug) beantragen, um im Anschluss daran in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Dies gilt auch für Kinder, wenn sie nur die Staatsangehörigkeit eines Drittstaates haben. Auch minderjährige Kinder Ihres ausländischen Partners / Ihrer ausländischen Partnerin (z.B. aus erster Ehe) können nachziehen. Allerdings muss er / sie dafür das alleinige elterliche Sorgerecht nachweisen.

Anmeldung

Info

Angehörige der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz müssen sich nur beim Einwohnermeldeamt anmelden.

Mit der Ankunft in Deutschland müssen Sie sich und alle Familienmitglieder zuerst beim Einwohnermeldeamt bzw. bei der zuständigen Ausländerbehörde melden. Hier muss auch der Aufenthaltstitel für Ausländer/innen beantragt werden. Dafür sind Pässe, biometrische Passfotos, Geburts- und Heiratsurkunden, Gehalts- oder Steuerbescheinigungen sowie Mietnachweise und möglicherweise weitere Dokumente notwendig. Die Ausländerbehörde an Ihrem Wohnsitz ist für alle aufenthaltsrechtlichen Angelegenheiten zuständig. Sie informiert Sie auch, ob Ihr Partner/ Ihre Partnerin an einem Integrationskurs teilnehmen muss, was abhängig vom Aufenthaltstitel freiwillig oder verpflichtend ist.

Versicherung

Für die Erteilung oder Verlängerung eines Aufenthaltstitels muss Ihr Partner/ Ihre Partnerin einen ausreichenden Krankenversicherungsschutz in Deutschland belegen. Die meisten Ausländerbehörden verlangen dabei einen Nachweis, dass die Krankenversicherung dem der gesetzlichen Krankenkasse entspricht. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse, welche Möglichkeiten es gibt (z.B. auch über eine Familienversicherung).

Arbeit und Studium

Wenn Ihre Partnerin / Ihr Partner in Deutschland arbeiten möchte, stehen ihr/ihm auch unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote offen. Es kann auch hilfreich sein, sich schon vom Ausland aus mit dem deutschen Arbeitsmarkt zu befassen und auszuloten, welche Optionen es gibt, oder ob vielleicht Zusatzqualifikationen erforderlich sein werden.

Ausländer/innen, die in Deutschland arbeiten möchte, brauchen zusätzlich eine Arbeitserlaubnis. Welche Voraussetzungen für eine Erwerbstätigkeit in Deutschland erfüllt sein müssen, richtet sich zunächst danach, ob Sie Staatsangehörige/r eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, des Europäischen Wirtschaftraums, der Schweiz oder Bürger eines Drittstaates sind. Die Bedingungen für die Arbeitserlaubnis ändern sich immer wieder, weshalb Sie sich direkt auf den Seiten des Auswärtigen Amtes, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, oder der Arbeitsagentur informieren sollten. Für ausländische Fachkräfte bietet die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) zusätzliche Informationen und Vermittlungsmöglichkeiten. Zu den Themen 'Leben und Arbeiten in Deutschland' finden Sie auch auf dem Online-Portal "make-it-in-germany" umfassende Tipps.

Die berufliche Orientierung in Deutschland fällt unter Umständen nicht leicht, da sich die Berufsfelder und die damit verbundenen Tätigkeiten zu denen im Heimatland Ihrer Partnerin / Ihres Partners oft unterscheiden. Dazu können Sie verschiedene Informationsangebote zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten nutzen. Die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Online-Portalen und Jobcentern vor Ort sind erste Anlaufstellen.

Für die Aufnahme eines Studiums sind neben der Anerkennung von Zeugnissen und der Hochschulzugangsberechtigung unterschiedliche Voraussetzungen zu erfüllen. Erfragen Sie diese am besten direkt bei den jeweiligen Hochschulen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Hochschulrektorenkonferenz informieren über Studienmöglichkeiten und Anforderungen; daneben gibt es noch zahlreiche Fernlehrgänge.

Zeugnisse

Um eine Arbeit, eine Ausbildung, Weiterbildung oder ein Studium zu beginnen, benötigt Ihr Partner / Ihre Partnerin beglaubigte und übersetzte Kopien von Zeugnissen, z.B. vom Schulabschluss, von der Hochschulzugangsberechtigung, vom Hochschulabschluss, von Berufsausbildungen usw. Ausländische Abschlüsse werden in Deutschland nicht automatisch anerkannt. Informationen zur Bewertung ausländischer Bildungsnachweise finden Sie auf dem Informationsportal der Kultusministerkonferenz. Über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen informiert zudem das Portal Anerkennung in Deutschland oder das „BQ-Portal“.

Sprache

Um neue Menschen kennenzulernen, sich im Alltag verständigen zu können und Arbeit zu finden sollte Ihr Partner / Ihre Partnerin möglichst schnell Deutsch sprechen lernen. Beispielsweise bietet das Goethe-Institut weltweit Deutschkurse an. Wenn es an Ihrem Standort ein Angebot gibt, ist es ideal, schon dort mit dem Deutsch lernen zu beginnen. In Deutschland selbst gibt es ein vielfältiges Angebot an Deutsch-Kursen, z.B. von Volkshochschulen, Vereinen oder privaten Sprachschulen. Zudem gibt es einige Online-Kurse und Apps, um Deutsch zu lernen und zu üben.

Eine weitere Möglichkeit, um Deutsch zu lernen und eine Orientierung im Alltag zu bekommen, sind Integrationskurse, die aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs bestehen. Informieren Sie sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), wie und wo Ihr Partner / Ihre Partnerin an einem Integrationskurs teilnehmen kann, was er beinhaltet und kostet.

Eheschließung

... in Deutschland

Für viele binationale Paare ist die Eheschließung eine Möglichkeit, in Deutschland gemeinsam zu leben. Das Heiraten in Deutschland ist mit vielen bürokratischen Hindernissen verbunden; es werden vielfältige Urkunden, Dokumente und Bescheinigungen gefordert, die teilweise nur sehr schwer für den ausländischen Partner oder die ausländische Partnerin im Heimatland zu bekommen sind. Welche Unterlagen und welche Art von Beglaubigungen (z.B. Apostille für die Geburtsurkunde) Sie in Ihrem Fall für eine Eheschließung in Deutschland benötigen, erfahren Sie beim zuständigen Standesamt. 

... im Ausland

Um Ihre im Ausland geschlossene Ehe anerkennen zu lassen, gibt es kein bestimmtes Verfahren und auch keine allein zuständige Behörde. Laut Auswärtigem Amt wird „eine im Ausland erfolgte Eheschließung in Deutschland grundsätzlich anerkannt, wenn im Zeitpunkt der Eheschließung die materiell-rechtlichen Eheschließungsvoraussetzungen (z.B. Ledigkeit, Mindestalter) für beide Partner nach ihrem jeweiligen Heimatrecht vorlagen und wenn das Recht am Ort der Eheschließung oder das Heimatrecht beider Ehegatten hinsichtlich der Form der Eheschließung gewahrt wurde.“ Sie sollten sich also vorab genau darüber informieren, z.B. bei der Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige des Bundesverwaltungsamts, welche Regeln (z.B. bei islamischen Eheverträgen) gelten.

Wenn mindestens einer der Ehegatten Deutsche/r ist, können Sie beim zuständigen deutschen Standesamt die Beurkundung der im Ausland geschlossenen Ehe im Eheregister beantragen. So kann die Eheschließung auch bei den deutschen Behörden registriert werden.


Für eine bikulturelle Partnerschaft ist die Rückkehr in das Herkunftsland einer der Partner oft mit Verwirrung verbunden, da man strukturelle Herausforderungen mit persönlichen Vorwürfen verwechselt.

[...] Es ist sehr wichtig die strukturellen Gegebenheiten zu kennen, damit die persönliche Seite nicht darunter leidet. 

Mauricio Salazar


Literatur und weiterführende Links

  • Deutschland.de: Mehrsprachige Angebote vorwiegend für internationale Nutzer. Informationen zu Deutschland in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Umwelt, Wissen und Leben.
  • Tatsachen über Deutschland: Das Portal mit den aktuellen Daten, Fakten und Informationen über Deutschland.
  • Arbeiten und Leben in Deutschland - Auswärtiges Amt
  • Willkommen in Deutschland - Informationen für Zuwanderer Broschüre zum Download vom BAMF
  • Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften , iaf e.V. bietet auch über seine bundesweiten Regionalstellen Beratung und Informationen für binationale Paare und binationale Familien. Er informiert u. a. über rechtliche Fragen, kulturelle Themen, mehrsprachige Erziehung. Zudem publiziert er auch Ratgeber: Alltag in Deutschland. Ratgeber für Ausländerrecht und Internationales Familienrecht. 8. Aufl. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel Verlag GmbH, 2012.
  • Infotool für Familien: Mit dem Tool, das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seiner Webseite zur Verfügung stellt, können Sie in wenigen Schritten ermitteln, auf welche Familienleistungen oder -hilfen Sie oder Ihre Familie voraussichtlich Anspruch haben.

Weitere hilfreiche Publikationen:

  • Pollock, David/Van Reken, Ruth/Pflüger, Georg: Third Culture Kids. Aufwachsen in mehreren Kulturen. Aus dem Englischen von Christoph Rendel. Marburg an der Lahn: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, 2003.
  • Spohn, Cornelia (Hrsg.): zweiheimisch. Bikulturell leben in Deutschland. Hamburg: edition Körber-Stiftung, 2006.