Vielfalt der Menschen abgebildet

Mit internationaler Erfahrung zur Kinderbuch­-Autorin und Verlegerin

Karin Beese

„Ich hab‘ Dein Buch im Museum gesehen!“ Diese Nachricht einer Freundin konnte ich kaum glauben. Doch tatsächlich – auf Nachfrage beim Hygienemuseum in Dresden erfuhr ich: Mein Kinderbuch „Nelly und die Berlinchen“, das ich 2016 im eigens dafür gegründeten HaWandel­Verlag veröffentlicht habe, war tatsächlich in einer Sonderausstellung zum Thema Rassismus zu sehen. Ganz am Ende – in einer gläsernen Vitrine mit guten Beispielen für diskriminierungsfreie Kinderliteratur.

Wie kam es dazu? Wenn ich nach der Entstehungsgeschichte des Buches und der Gründung meines Verlags gefragt werde, erzähle ich gern, wie ich vor mehreren Jahren auf der Suche nach Kinderbüchern war, die die Vielfalt der Menschen in Deutschland abbilden – ohne diese explizit zu thematisieren oder zu problematisieren. In online­Foren und im Gespräch mit anderen Eltern stieß ich dabei immer wieder auf das gleiche Ergebnis: In Deutschland sind Kinderbücher mit Schwarzen Kindern oder Children of Color in der Hauptrolle eine absolute Seltenheit, es sei denn, es geht um Themen wie Integration oder Adoption. „Das kann doch nicht sein, dann mache ich das eben!“ – war meine fast trotzige Reaktion.

Gesagt, getan! Nur, ganz so einfach ging es dann doch nicht. Es war ein riesiges Glück, dass ich eine Künstlerin kennenlernte, die sich an einer Kinderbuchillustration versuchen wollte. Gemeinsam begaben wir uns auf eine Reise – im Schneckentempo neben Familie, meine dritte Tochter kam in dieser Zeit auf die Welt, und meiner damaligen Arbeit bei einem Institut für Umweltpolitik. Und so dauerte es zwei Jahre, bis wir tatsächlich unser Buch gedruckt in den Händen hielten. Auf dem Weg begleiteten uns viele Freund*innen und Bekannte und wir lernten unglaublich viel durch ihr Feedback. Dann stürzte ich mich als absolute Anfängerin ins Verlagsgeschäft und eignete mir Details zu Verlagsgründung, Bücherverzeichnissen, Großhandelsverträgen und vielem mehr an.

Belohnt wurden unser Mut und unsere Beharrlichkeit mit einem überwältigenden Feedback vieler kleiner und großer Berlinchen­Fans. Neben einer Auszeichnung vom Berliner Ratschlag für Demokratie, der Aufnahme unseres Buches in mehrere Empfehlungslisten und der Einladung zu zahlreichen Lesungen, erreichen uns auch zweieinhalb Jahre nach Veröffentlichung immer wieder bewegende Rückmeldungen und Dankes­Mails aus ganz Deutschland.

In der Rückblende wird mir klar, dass der Grundstein für all das schon vor über zehn Jahren während meiner Arbeit als Nachwuchsstipendiatin beim DED in Kamerun gelegt wurde. Die Erfahrungen, die ich dort beruflich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit sammelte, haben nicht nur meinen weiteren Berufsweg entscheidend geprägt, sondern mich auch darin bestärkt, mich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Und dass dabei ein Kinderbuch entstanden ist, verdanke ich vor allem auch meinen drei wunderbaren Töchtern, die mir jeden Tag mit ihrer Phantasie und Freude neue Inspiration geben.

Karin Beese war in Kamerun (erschienen in transfer Ausgabe 1/2019)