Vor, in und nach Uganda

Der Kreis schließt sich

Ilona Greiner

Unser fünfjähriger Auslandseinsatz in Uganda endete 1999, gefolgt von teils heftigen „Heimweh-Attacken“ nach unserem Gastland, die wir so nicht erwartet hatten. Ein Ereignis der letzten Jahre hat mir gezeigt, wie sehr wir alle durch diese Zeit geprägt sind: Unser Sohn, bei der Rückkehr gerade mal sieben Jahre alt, ließ sich zu unserer Überraschung vor einigen Jahren eine Afrikakarte auf den Arm tätowieren. Auch mich haben diese Jahre so sehr beeindruckt, dass ich meine Vergangenheit immer noch in eine Zeit vor, in und nach Uganda einteile. Das gilt auch für meine berufliche Entwicklung.

Vor und in Uganda

Vor Uganda unterrichtete ich angehende Erzieher*innen an einer Fachschule für Sozialpädagogik.
In Uganda arbeitete mein Mann als Lehrer. Ich kümmerte mich als so genannte „mitausreisende Partnerin“ einerseits um unsere drei Kinder. Andererseits bemühte ich mich um ein für mich befriedigendes und sinnvolles Betätigungsfeld. Den Part als Mutter bewältigte ich noch ganz gut. Die Suche nach einer weiteren Aufgabe gestaltete sich jedoch als herausfordernd. Meine unerwartet schwierige Rolle als „Nur-Hausfrau“ und „Mrs. Martin, die Frau von Mr. Martin“, bereitete mir – vor allem im ersten Jahr – erhebliche Schwierigkeiten. Insgesamt fühlte ich mich auf diese Situation schlecht, um nicht zu sagen, gar nicht vorbereitet. Schon während unserer Zeit in Uganda dachte ich deshalb darüber nach, wie die mitausreisenden Partner*innen ohne eigenen Vertrag bereits im Vorfeld auf ihre speziellen Herausforderungen vorbereitet werden könnten.

Nach Uganda

Gleich nach unserer Rückkehr begann ich diese Ideen weiterzuentwickeln, da mir ein Wiedereinstieg als Lehrerin irgendwie nicht mehr passend erschien. Ich bot bei unterschiedlichen Organisationen aus der EZ und dem kirchlichen Bereich sowie bei Wirtschaftsunternehmen Workshops, Beratungen und Seminare an, die die Vorbereitung der mitausreisenden Partner*innen zum Inhalt hatten. Dabei erweiterte sich mein Fokus noch auf andere Themenfelder, die mir nun auch zunehmend wichtig erschienen, beispielsweise:

• Welche Herausforderungen hat man als Paar im Ausland zu meistern?
• Wie ist es, als Familie auszureisen?
• Was für einen großen, oft ungeahnten Einschnitt bedeutet die endgültige Rückkehr ins Heimatland?
• Und was kann helfen, diesen zu bewältigen?

Da sich der Markt für solche Angebote jedoch als sehr klein herausstellte, besann ich mich nach einigen Jahren auf meine beruflichen Wurzeln und begann, parallel zu Seminaren und Beratungen im Integrationsbereich an Kindergärten und Grundschulen zu arbeiten. Im Laufe der Zeit kamen weitere freiberufliche Aufträge dazu, wie etwa die Begleitung von Familien für das Jugendamt und – ganz aktuell – die Mitarbeit in einem Projekt der evangelischen Kirche in Württemberg: Wir begleiten Kindergärten durch Beratung und Coaching dabei, ein inklusives Konzept für ihre Einrichtungen zu entwickeln. Dazu gehört nicht zuletzt der Umgang mit Kindern und Eltern, die einen Migrationshintergrund haben. Die Schulung der Sensibilität für andere kulturelle Hintergründe ist dabei ein wichtiges Element.

Alle diese freiberuflichen Aufträge – so unterschiedlich sie im ersten Moment auch erscheinen mögen – erlebe ich doch als sehr eng miteinander verwandt. Sei es bei der Begleitung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, von Familien in sehr speziellen Lebenslagen und -formen oder eben bei den Angeboten für Partner*innen und Familien, die ins Ausland gehen oder aus dem Ausland kommen – überall sind ähnliche Kompetenzen wichtig: die Offenheit für andere Kulturen, Lebensformen und Lebensstandards, die nicht mit meinen deckungsgleich sind, der Umgang mit anderen Werten und Normen und die Fähigkeit, sich auf Neues, für mich oft Überraschendes einzulassen. So habe ich zunehmend den Eindruck, sowohl meine Erfahrungen als Sozialpädagogin, als auch die meines Auslandsaufenthaltes in immer neuer Weise miteinander verbinden zu können. Für mich persönlich schließt sich dadurch der Kreis. Eine schöne Erfahrung.

Ilona Greiner war von 1995 bis 1999 in Uganda (erschienen in transfer Ausgabe 2/2018)