Weiterbildung

Nach dem Auslandseinsatz absolvieren viele Rückkehrer/innen eine Weiterbildung, einige beginnen schon während des Entwicklungsdienstes. Auch in unserer Beratung sind Überlegungen zu Weiterbildungen fast immer ein Thema. Für manche Rückkehrer/innen steht ganz klar fest, dass sie eine Weiterbildung machen möchten. Für viele andere ist eine Weiterbildung nur eine Option. Natürlich will man gerne Neues lernen. Aber brauche ich die Weiterbildung wirklich? Lohnt es sich im individuellen Fall, in eine Weiterbildung zu investieren?

Hier bekommen Sie erste Anhaltspunkte, gerne beraten wir Sie auch persönlich. Kontaktieren Sie uns.

Beweggründe für eine Weiterbildung

Die inhaltliche Bandbreite möglicher Weiterbildungsgänge ist so groß wie das Spektrum der Berufs- und Tätigkeitsfelder der Fachkräfte. Dauern einige Fortbildungen nur wenige Tage, zielen andere auf eine berufliche Neuausrichtung ab und umfassen möglicherweise ein komplettes Studium. Auch Ziele und Motivation variieren.

"Ich hatte achteinhalb Jahre als Krankenhausmanagementberaterin und Verwaltungsleiterin eines Missionskrankenhauses gearbeitet. Nach der Rückkehr wünschte ich mir eine Weiterbildung, die meine praktischen Erfahrungen mit den aktuellen Theorien des Managements im deutschen Gesundheitswesen unterfüttern würde."*

Erfahrungsbericht

Fernstudiengang "Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen"

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Die Rückkehrerin hat sich für einen berufsbegleitenden Master-Fernstudiengang im Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen entschieden.

Viele Rückkehrer/innen sind hoch motiviert, ihre methodischen oder technischen Kenntnisse aufzufrischen oder ihre soft skills zu verbessern. Auch Zusatzqualifizierungen sind attraktiv, um das eigene Bewerberprofil zu verbessern.

"Ich hatte das Gefühl, dass das im Ausland erworbene Wissen noch unzureichend für meine aktuelle Tätigkeit [in Deutschland - Anm. d. Red.] sei. Ein CSR-Kurs [Corporate Social Responsibility - Anm. d. Red.] musste her."

"Nach der langen Zeit im Ausland wollte ich mich weiterbilden, um technischen Anschluss im GIS-Bereich [Geoinformationssysteme - Anm. d. Red.] zu erhalten."

Oft geht es aber nicht so sehr darum, Wissenslücken zu schließen, sondern die im Ausland gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen mit „Scheinen“ und Zeugnissen dokumentieren zu können. Die Annahme dahinter ist, dass formale Qualifizierungen (insbesondere zertifizierte Weiterbildungen) bei Bewerbungen in Deutschland (immer noch) eine wichtige Rolle spielen.

Motivation für Weiterbildungsüberlegungen ist oft auch die Sorge, wie man als ehemalige/r Entwicklungshelfer/in von deutschen Arbeitgebern wahrgenommen wird. Für diese Sorge gibt es zwar keine faktischen Belege, dennoch sind Rückkehrer/innen oft bemüht, möglichen Vorurteilen den Wind aus den Segeln zu nehmen:

"Entwicklungshelfer begegnen häufig dem Vorurteil, dass sie während ihres Auslandsaufenthalts 'verbuschen' und weltfremd werden [...]. Weiterbildung und aktuelles Wissen signalisieren zukünftigen Arbeitgebern, dass man ohne lange Einarbeitung eingesetzt werden kann."

Dieser Rückkehrer hat bereits während des Entwicklungsdienstes ein berufsbegleitendes Fernstudium begonnen und sehr schnell nach seiner Rückkehr eine Stelle bei einer deutschen Handelskammer bekommen.

Gerade nach längeren Auslandseinsätzen sind Weiterbildungsüberlegungen oft mit dem Wunsch verbunden, sich besser zu vernetzen und Einblicke und Kontakte in den angestrebten neuen Tätigkeitsbereich zu gewinnen. Manchmal ergibt sich daraus auch mehr:

"Der wichtigste Teil der Weiterbildung war für mich ein zweimonatiges Pflichtpraktikum [...]. Auch andere Absolventen der Weiterbildung bekamen Angebote ihrer Praktikumsinstitutionen und haben nun Jobs in NGOs [Nichtregierungsorganisationen - Anm. d. Red.] oder kommunalen Einrichtungen."

Auch dieser Rückkehrer bekam eine Stelle in der Institution, bei der er sein Praktikum absolvierte. Mit einer früheren Bewerbung beim gleichen Arbeitgeber hatte er kein Glück gehabt.

Ein weiterer Beweggrund für eine Weiterbildung ist das Bedürfnis, die im Entwicklungsdienst oder Zivilen Friedensdienst gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen zu reflektieren und zu verarbeiten. Klassische Weiterbildungen in diesem Sinne sind z.B. Mediation oder, relativ aktuell, Integrationsberatung.

Zu welchen beruflichen Zielen soll die Weiterbildung führen?

Weiterbildungen kosten Zeit, Kraft und in den meisten Fällen auch Geld. Oft viel Geld. Und viel Zeit. Es lohnt sich, vor der Entscheidung für eine Weiterbildung eine persönliche und berufliche Standortanalyse zu machen. Wichtige Fragen sind:

  • Wo will ich langfristig hin?
  • Was ist mir wichtig?
  • Welche nächsten beruflichen Schritte strebe ich an?

Sicherlich ist Karriereplanung nicht jedermanns Sache. Überhaupt – nicht alles im Leben ist planbar und oft geschehen Dinge unverhofft.

Dennoch zeigt unsere Erfahrung, wie wichtig es ist, einen beruflichen Plan zu haben, bevor man sich für eine Weiterbildung entscheidet. Neben dem Blick auf die eigenen Wünsche und Vorstellungen ist es natürlich auch wichtig, sich mit dem Arbeitsmarkt und den Beschäftigungsmöglichkeiten zu befassen. Inwieweit sind die eigenen Pläne realistisch? Auch wenn die Fragen einfach klingen – die Antworten sind es oft nicht.

Erfahrungsbericht

Weiterbildung "Akademische/r PR-Berater/in"

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Erfahrungsbericht

Masterstudiengang "Public Health and Health Promotion"

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Erfahrungsbericht

Weiterbildung "Trainer/in in der Erwachsenenbildung"

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Was bringe ich mit? Und was möchte ich dazu lernen?

Eine zentrale Frage bei Weiterbildungsüberlegungen ist: "Was kann ich?" Nach mehreren Jahren im Entwicklungsdienst und ganz unterschiedlichen Arbeitskulturen befürchten Rückkehrende oft, fachlich oder methodisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand der europäischen Arbeitswelt zu sein.

Im Einzelfall mag es auch zutreffen, dass man etwas "verpasst" hat. Aber so generell und pauschal lässt sich das nicht sagen. Im Gegenteil, die Arbeit im Entwicklungsdienst oder Zivilen Friedensdienst bedeutet in aller Regel einen wesentlichen Zuwachs an methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen, die auch in Europa gefragt sind. In unseren Kompetenzbilanzseminaren können Sie ihr eigenes Kompetenzprofil analysieren.

Diese Analyse bietet eine gute Grundlage für die nächsten Fragen: 

  • Welche weiteren Kenntnisse und Kompetenzen möchte ich mir (oder muss ich mir) aneignen?
  • Wo sehe ich meine nächste berufliche Station?
  • Welche Optionen gibt es?

Tipp: Lesen Sie Stellenausschreibungen und befassen Sie sich intensiver mit den Anforderungsprofilen, die Sie ansprechen. Ein selbstkritischer Abgleich sollte Hinweise darauf geben, ob Sie noch zusätzliche Fortbildungsmaßnahmen brauchen. Auch für einen neuen Karriereschritt ist das eine lohnenswerte Überlegung.

Nutzen Sie auch Fachinformationen und -artikel, beispielsweise von Berufs- oder Branchenverbänden, oder persönliche Kontakte zu Menschen, die in dem angestrebten Bereich arbeiten. Viele weitere Tipps und Anregungen für Ihre Recherchen bietet unsere Zeitschrift für rückkehrende Fachkräfte: transfer.

Welche Weiterbildung ist die Richtige? Und wie finde ich sie?

INFO

Weitere Tipps für die Suche nach Möglichkeiten zur Weiterbildung finden Sie hier als Linkliste zum Download.

Die Zahl der Weiterbildungsanbieter und Angebote ist sehr groß und schwer überschaubar. Trotz dieser Fülle – und vielleicht auch gerade deshalb – ist es oft nicht einfach, genau das Bildungsangebot zu finden, das zu den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen passt. Einen Einstieg in die Recherche bieten Weiterbildungsdatenbanken.

Bei der Suche und Auswahl gibt es viele Faktoren zu bedenken:

  • Entspricht die Weiterbildung den Standards, die im angestrebten Tätigkeitsfeld erwartet werden?
  • Welche Qualität hat die Weiterbildung?
  • Wie lange dauert sie und wann könnte ich anfangen?
  • Was kostet sie?
  • Wie sind die Konditionen, falls man die Weiterbildung aus irgendwelchen Gründen abbrechen muss oder will?
  • Welches Renommee genießen die Weiterbildung und der Bildungsträger?

Ein Kurs, der im Nonprofit-Bereich hoch geschätzt wird, mag in der freien Wirtschaft gänzlich unbekannt sein.

Die Broschüre "Checkliste - Qualität beruflicher Weiterbildung" vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterstützt bei der Entscheidung für eine berufliche Weiterbildung.

In der Weiterbildungsdatenbank "Kursnet" der Agentur für Arbeit können Sie gezielt nach Weiterbildungen suchen, die zertifiziert sind und auch über Bildungsgutscheine gefördert werden können.

Die Webseite der Stiftung Warentest bietet einen Weiterbildungsguide und hilfreiche Informationen, die die Entscheidung für die richtige Weiterbildung erleichtern.

Wie finanziere ich die Weiterbildung?

Bildungsgutschein

Rückkehrer/innen, die arbeitslos sind, können - unter bestimmten Voraussetzungen - einen Bildungsgutschein der Arbeitsagentur erhalten. Eine der Voraussetzungen ist, dass eine Weiterbildung für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt notwendig ist. Und: Die Weiterbildung muss für die Förderung über einen Bildungsgutschein zugelassen sein. Das Online-Portal der Bundesagentur für Arbeit informiert über den Bildungsgutschein.

BAföG

Wer ein (Master-)Studium plant, kann unter Umständen für eine BAföG-Förderung in Frage kommen. Bei Masterstudiengängen gilt derzeit ein Höchstalter von 35 Jahren. Ausnahmen gelten - unter bestimmten Voraussetzungen - bei Antragsteller/innen mit Kindern unter 10 Jahren.

Aufstiegs-BAföG

Das Aufstiegs-BAföG (Aufstiegs-Fortbildungsförderungsgesetz, kurz AFBG - früher Meister-BAföG) fördert die Vorbereitung auf Abschlüsse wie Meister/in, Fachwirt/in, Techniker/in, Erzieher/in oder Betriebswirt/in.

Weitere Programme

Über weitere Förderprogramme informieren beispielsweise das InfoWeb Weiterbildung oder Portale wie Stipendienlotse, mystipendium oder der European Funding Guide.

Informationen über die Möglichkeiten einer Fortbildungsförderung durch das Förderungswerk der AGdD finden Sie hier.

 

*Alle Zitate auf dieser Seite stammen aus Ausgaben unserer Zeitschrift transfer.