Entwicklungsdienst.

Entwicklungsdienst. Partnerschaften zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

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Partnerschaften zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele

Niemanden zurücklassen (Leave no one behind), das Leitmotiv des Weltzukunftsvertrags der Vereinten Nationen, beschreibt die zutiefst humanitäre Vision einer Welt ohne extreme Armut und Ausgrenzung. Um dies bis zum Jahr 2030 zu erreichen, so das ehrgeizige Ziel, braucht es eine wirksame internationale und entwicklungspolitische Zusammenarbeit und Menschen, die diese gestalten und umsetzen.

Für die Träger des Entwicklungsdienstes sind Partnerschaften die entscheidende Grundlage, um die im Aktionsplan des Weltzukunftsvertrags definierten Ziele für eine nachhaltige Entwicklung1 mit Leben zu füllen. Alle 17 Ziele sind wichtig und alle sind miteinander verbunden. Mit Ziel 17 ‚Partnerschaften zur Erreichung der Ziele‘ wird deutlich, dass es für die Umsetzung zwingend eine gute Zusammenarbeit braucht. Damit ist die Notwendigkeit gemeint, Bündnisse zu gestalten und zu finanzieren, politische Kohärenz herzustellen und die institutionelle Förderung zu stärken.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten engagieren sich die Träger des Entwicklungsdienstes, gemeinsam mit ihren Partnern, für soziale Gerechtigkeit, für die Förderung von Demokratie und Frieden, für die Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter Menschen und für Nachhaltigkeit. Durch die Erfahrungen damit sind die Träger entwicklungspolitisch besonders wirksam. Das im Weltzukunftsvertrag verankerte Verständnis, dass sich alle Länder an den notwendigen Veränderungen für ein zukunftsgerechtes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem beteiligen müssen und dass Entwicklung in diesem Sinne sowohl im globalen Norden als auch im globalen Süden erforderlich ist, teilen die Entwicklungsdienste – und dies nicht erst seit der Verabschiedung der Agenda durch die Vereinten Nationen.

Der Entwicklungsdienst ist ein solidarisches Engagement auf Zeit: Berufserfahrene Fachkräfte bringen ihre Erfahrung und ihr Wissen dort ein, wo es gemeinsames Handeln braucht, um Strategien für notwendige Veränderungen zu erarbeiten und deren Umsetzung zu gestalten. Das Entwicklungshelfergesetz schafft die notwendigen Rahmenbedingungen für die soziale Absicherung der Fachkräfte. Die Träger des Entwicklungsdienstes sind überzeugt: In der direkten Begegnung und persönlichen Auseinandersetzung ist es möglich, unterschiedliche Perspektiven und Kontexte zu verstehen und miteinander zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln. Partnerschaften sind demnach eine Notwendigkeit für gemeinsames Lernen und interkulturellen Erfahrungsaustausch und für die wirksame und nachhaltige Umsetzung gemeinsamer Projekte und Maßnahmen.

Der Weltzukunftsvertrag nimmt an erster Stelle die Regierungen in die Pflicht. Eine erfolgreiche Umsetzung hängt aber in großem Maße davon ab, dass alle mitmachen – auch die Wirtschaft und jede*r Einzelne. Und eine starke Zivilgesellschaft ist zwingend notwendig: Sie fordert strenge ökologische und soziale Standards, mahnt die Wahrung der Menschenrechte an und setzt sich für Unterdrückte und Minderheiten ein.

Besonders schwierig und wichtig ist dies in Bürgerkriegs- und Krisenregionen, wo die Frage der Legitimität von Institutionen auf dem Prüfstein steht und die Handlungsspielräume stark eingeschränkt sind. In undemokratischen Strukturen, repressiven Staaten und Systemen der Ausbeutung und Ausgrenzung bedarf es der besonderen Unterstützung demokratischer und fairer Entwicklungschancen und der Akteure, die sich vor Ort dafür einsetzen. In diesem Zusammenhang können Partnerschaften zwischen zivilgesellschaftlich organisierten Kräften schützend und stärkend wirken und, wie die Erfahrung der Träger der Entwicklungsdienste und ihrer Fachkräfte zeigt, bewähren sie sich auch in Zeiten der besonderen Not.

Partnerschaften sind lebendig und müssen kontinuierlich und immer wieder neu gestaltet werden. Das Verständnis von gelebter Solidarität, von Entwicklung und globalen Zusammenhängen hat sich über die Jahrzehnte stark verändert, bei uns und bei unseren Partnern. Entwicklungsdienst ist deshalb auch als ein Lernort zu verstehen, in dem der gegenseitige Erfahrungs- und Wissensaustausch im Vordergrund steht und der mit Blick auf die Ergebnisse dieses Austauschs eine eigene Produktivität hat. So ist es über die individuelle und institutionelle Begegnung hinaus über die Jahrzehnte gelungen, ein großes Netzwerk von Menschen, Organisationen und Strukturen zu schaffen, die heute auf ihre je eigene Art an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele arbeiten.

Jedes Engagement beginnt mit dem Selbstverständnis einer persönlichen Mitverantwortung. Fachkräfte im Entwicklungsdienst / Zivilen Friedensdienst bringen dieses Verständnis mit: Sie bringen ihr Fachwissen und einen Teil ihrer Lebenszeit ein, um einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen und der Handlungsfähigkeit von Menschen zu leisten, deren Lebensbedingungen schwieriger sind. Bei ihrer Rückkehr bringen sie Erfahrungen mit, die auch für die Umsetzung der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland und Europa wertvoll sind. Ihr Engagement ist in diesem Sinne mit Abschluss des Entwicklungsdienstes nicht beendet, sondern gewandelt. Die Herausforderungen und Nachhaltigkeitsziele gelten ja weltweit, also auch bei uns.

Aktuell leisten über 1.000 Fachkräfte in knapp 90 Ländern Entwicklungsdienst: Sie arbeiten in neuen Strukturen oder auch in langjährig gewachsenen Partnerschaften. Diese Partnerschaften - am eigenen Arbeitsplatz, in der Gemeinde, auf regionaler und auf internationaler Ebene - mitzugestalten sowie Kooperationen und Netzwerke auszubauen, bleibt auch künftig eine zentrale Aufgabe von Entwicklungsdienst. Dazu gehören die Prinzipien von Partizipation und sozialer Teilhabe. Damit schafft der Entwicklungsdienst kontinuierlich wichtiges Erfahrungswissen für die Umsetzung der Agenda 2030 – ganz besonders für das Nachhaltigkeitsziel 17.

Wir können die erste Generation sein, der es gelingt, die Armut zu beseitigen, ebenso wie wir die letzte sein könnten, die die Chance hat, unseren Planeten zu retten.

(Ban-Ki Moon, UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016)

1 In den fünf Grundprinzipien gemeinsamen Handelns sind die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit (ökologisch, wirtschaftlich und sozio-kulturell), die Würde des Menschen, die Sicherung von Frieden, globale Gerechtigkeit, Partnerschaft und Solidarität verankert.


Hrsg.:
Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste e.V.
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