Gewinner*innen des Fotowettbewerbs

Zum Jubiläum des Entwicklungshelfer-Gesetzes haben wir einen Fotowettbewerb ausgeschrieben. Ziel war es, die Vielfalt des Entwicklungsdienstes abzubilden mit Fotos aus allen fünf Jahrzehnten, aus verschiedenen Regionen, aus Stadt und Land und aus allen Fachbereichen und Sektoren der Entwicklungszusammenarbeit. Gerne auch mit Motiven der Fachkräfte selbst, die zeigen, wie sie gearbeitet und gelebt haben.

Das Ergebnis? 198 Einsendungen aus der ganzen Welt, die manchmal bunt und skurril waren, manchmal aber auch, hinter simplen Motiven versteckt, tiefe, bewegende Geschichten erzählen.

Das Festlegen der Kriterien im Vorfeld fiel nicht leicht: Geht es bei einem Fotowettbewerb primär um die visuelle Erzählkraft? Oder beim Thema 50 Jahre Entwicklungshelfer-Gesetz zuerst um die Geschichte zum Bild? Um die historische Spannweite? Oder sollte doch der Beitrag der Fachkraft im Vordergrund stehen?

Die Jury hat sich für drei Fotos entschieden, die am Tag der offenen Tür am 18. Juni prämiert wurden.

1. Platz: Dr. Inge Baumann-May

Der Kreis der Frauen

„Der Kreis, die Frauen, die Berge - alles stimmt - voneinander lernen!“

Das Bild zeigt einen Kreis sitzender Frauen in den Bergen Nepals, mit der Fachkraft Dr. Inge Baumann- May in ihrer Runde. Sie schreibt dazu: „Ich arbeite als Beraterin für Mutter und Kind Gesundheit in Nepal. Hier war ich zu einem Monitoring-Besuch in den Bergen (links im Bild in rot zu sehen). Es war faszinierend, den Müttern zuzuhören, als sie erzählten, welche positiven Auswirkungen unsere Entwicklungsarbeit bzw. Aufklärungsarbeit auf ihr tägliches Leben hat.“ Das Foto entstand 2018 in Nepal.

Die Jury meint:
Der Kreis aus Frauen und der Fachkraft in ihrer Reihe vor der Kulisse der nepalesischen Berge hat uns sehr beeindruckt. Die Bildkomposition ist hervorragend umgesetzt, mit dem Kreis als Vordergrundelement, der beim Betrachten mit den fallenden Berglinien verschmilzt und dabei den Blick in die Ferne schweifen lässt. Hinzu kommen die kargen Hütten, welche die Abgeschiedenheit des Arbeitsplatzes unterstreichen und damit die Leistung der Fachkraft und des Entwicklungsdienstes, bis in den vermeintlich letzten Winkel zu wirken.

2. Platz: Linda Behnke

Abendstimmung

Das Bild zeigt ein Haus in Kambodscha im Jahr 2016 in der Dämmerung mit einem Lichtstrahl, der aus einer Tür fällt. Eine ganz normale Alltagszene.

Die Fotografin Linda Behnke sagt dazu: „An dem Bild gefällt mir die Abendstimmung, die Regenwolken, und das Licht vor dem Haus. Ich habe das Foto am Ende eines langen Arbeitstages aufgenommen. Gemeinsam mit meinen kambodschanischen Kollegen hatte ich den ganzen Tag Überlebende des Khmer Rouge Regimes interviewt. Wir unterstützten sie dabei, ihre Zulassung als Nebenkläger am Khmer Rouge Tribunal in Phnom Penh (offiziell "Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia") zu beantragen. Der Bewohner dieses Hauses war einer meiner Klienten und berichtete uns, dass er unter dem Regime mehrere Familienmitglieder verloren hat.“

Die Jury meint: Ein sehr ausdrucksstarkes Bild, fotografisch hervorragend umgesetzt. Der Schatten durch die dunklen Regenwolken im Kontrast zum Lichtschein im Hauseingang spiegelt die Geschichte hinter dem Bild auf mystische Weise wider. Es wirkt so, als wäre der Gerichtsprozess in Form des Lichtscheins dargestellt, als Hoffnungsschimmer in der Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit Kambodschas.

3. Platz: Hartmut Stichel

Der Nähkurs

Das Bild zeigt Teilnehmende an einem Nähkurs im Rahmen einer Erwachsenenausbildung in Äthiopien, 2007.

Die Fachkraft Hartmut Stichel beschreibt das Bild: „Es zeigt die schwierigen Rahmenbedingungen im ländlichen Bereich: Kein Strom, nur ein schwacher Lichtschein durch ein kleines Fenster. Im Rahmen eines Wettbewerbs der KfW wurden besonders engagierte Einrichtungen der beruflichen Bildung gefördert. Als DED-Fachkraft begleitete ich die Planung und Umsetzung.“

Die Jury meint: Die Bildsprache ist perfekt, mit dem Spiel von Licht und Schatten werden Spannungen erzeugt, die sich in den Arbeitsbedingungen wiederfinden. Hierzu dienen der Lichtfleck und die aufgespannte Leine als Führungslinie in die hinterste Ecke des Raumes, die sonst leicht zu übersehen wäre. Das Bild zeigt, dass gewisse Rahmenbedingungen für gute Arbeit nötig sind. Der textliche Hintergrund komplettiert damit die Fragen, welche das Bild beim Betrachten auslösen.